Die neue Sklaverei

Ich dachte die Sklaverei sei abgeschafft, aber wieder einmal wurde ich eines Besseren belehrt. Um an einen Kunden für ein 3-Monatiges (in Worten: drei Monate) zu kommen, sollte ich folgende „Kooperationsvereinbarung“, für – erst mal 12 Monate -, innerhalb eine halben Stunde unterschreiben, da ich sonst den Namen und die Firma des Kunden von XXX GmbH, der nach der halben Stunde ein Telefongespräch mit mir führen wollte, sonst nicht erhalten hätte. Da ich als Kaufmann, IT-SiBe und SÜ-2-Überprüfter nicht grade unbeleckt in Vertragsdingen bin, habe ich mir trotzdem noch fachligen Rat eingeholt, der zwischen den „Vertragstext“ als Kommentar in Klammern und Kursiv steht:

„Kooperationsvereinbarung zwischen der XXX GmbH und Y – nachfolgend Auftragnehmer genannt –

XXX hat ein berechtigtes Interesse daran, seinen Kundenstamm zu schützen. (Dieser Passus ist legitim und auch verständlich und auch nachvollziehbar)

Deshalb verpflichtet sich der Auftragnehmer

1. jeglichen Wettbewerb, auch indirekt über Dritte, in Bezug auf Kunden von XXX zu unterlassen (Das heißt für mindesten 12 Monate darf Y sich, weltweit, nicht für jedwede andere Projekte bewerben, oder Projektverträge eingehen, da immer die Gefahr besteht, dass man sich, per Zufall, bei einen Kunden, irgendeiner Niederlassung von XXX, für ein Projekt anbietet oder für ein Projekt bewirbt. Aka Berufsverbot.)

2. keine feste Anstellung bei Kunden von XXX einzugehen. (Das heißt für mindesten 12 Monate darf Y sich, weltweit, nicht, obwohl er eigentlich eine Festanstellung sucht, irgendwo anders bewerben, da immer die Gefahr besteht, dass man sich, per Zufall, bei einen Kunden, irgendeiner Niederlassung von XXX, bewirbt, oder nach einer Projektphase in Vollanstellung übernommen wird. Aka totales Berufsverbot.)

Die Vertragsparteien sind sich darüber einig, dass die Bedingungen dieser Kundenschutzvereinbarung bereits dann zur Anwendung kommen, wenn XXX dem Auftragnehmer Angebote zum Abschluss von Projektverträgen unterbreitet oder ihm seinen Hauptauftraggeber offenlegt. (Also ist die „Vereinbarung“ schon in Kraft, da mir ein Projekt „angeboten“ worden ist. Soweit ich weiß ist ein einseitiger Vertragsabschluss gar nicht möglich, bzw. rechtlich bindend, denn zu einen Vertrag gehören immer 2 Seiten.)

Diese Vereinbarung erstreckt sich jeweils für die Dauer von 12 Monaten ab dem letzten durch XXX vermittelten Kontakt des Auftragnehmers mit dem jeweiligen Kunden. (Also wenn XXX am letzten Tage der Vereinbarungsdauer einen Kundenkontakt, z. Bsp. per E-Mail zusendet, dann verlängert sich die „Vereinbarung“ automatisch um 12 Monate, und so weiter und so weiter. Also ein unendlicher „Vertrag“. Aka Lebenslanges Berufsverbot.)

Für jeden Fall der Verletzung des Wettbewerbsverbotes verpflichtet sich der Auftragnehmer, 20 % der Auftragssumme – höchstens jedoch 15.000 EUR – der unter Verletzung des Wettbewerbsverbots abgeschlossenen Verträge (unter Ausschluss des Fortsetzungszusammenhangs) an XXX als Vertragsstrafe zu bezahlen. Im Falle eines Dauerverstoßes wird die Vertragsstrafe für jeden angefangenen Monat neu verwirkt. Die Geltendmachung weiterer Schadensersatzansprüche durch XXX bleibt unberührt. (Ist das jetzt noch eine „Vereinbarung“, oder schon eine „Unterlassungserklärung“ jemals wieder selbständig sich irgendwo bewerben zu dürfen?)“

Als ich dann noch mal „Tante GOOGLE“ befragt habe, fand ich viele Beiträge, wie diese:

„Ich hatte in der Vergangenheit mehrere Angebote der Firma XXX. Ich habe auch schon Verhandlungen mit denen geführt, aber sobald eine Kundenschutzvereinbarung unterzeichnet wurde, hört man nichts mehr von denen. Wie man so in Kreisen von Selbständigen hört, scheint die Firma sehr viele Kundenschutzvereinbarungen einzuholen. Über den Sinn dieser Aktion mag sich jeder selber seine Gedanken machen. Ich werfe dazu ein, dass es substanzieller Zweck einer solchen KSV ist, dass der unterzeichnende Freiberufler nicht über einen anderen DL an den Endkunden herantreten darf. In den KSV steht aber NIE drin, dass die Firma XXX den Freiberufler auch vorstellen muss. Wie gesagt, jeder muss sich selber überlegen, was das heißt. Ich unterschreibe da nichts mehr.“

„Was XXX angeht kann ich aus eigenen Erfahrungen heraus nur sagen, dass sich dort bisher kein fachlicher Hintergrund aufgezeigt hat und dass sich (was ich als schlimmer empfinde) kein Interesse an einer Kommunikation zeigt. Stattdessen kamen stumpfe Aussagen wie „Schicken Sie Ihre Bewerbung, Sie werden dann sehen…“. Fragen zu Aufgaben, Hintergründen, etc. blieben stets unbeantwortet, wurden gar als störend empfunden. So etwas braucht kein Mensch; Erst recht nicht, wenn sich die als Vermittler auftretende Agentur mit jeder geleisteten Stunde eine ordentliche Portion Geld verdienen möchte. Nur Bewerbungen einzusammeln, jene mit dem geringsten Stundensatz (=weil diese die höchste Marge verspricht) an den Kunden zu doch horrenden und standardisierten Preisen weiterzuleiten, stellt die Existenzberechtigung einer „Recruiting-Agentur“ für alle Seiten in Frage.“

„XXX ist nicht seriös. Als ich bemerkte, dass die gar keine Vermittlung betreiben, sondern nur Suchende abzocken wollen, habe ich nicht mehr reagiert und die als schwarze Schafe gestrichen.“

„XXX lässt sich für gewöhnlich Kundenschutzvereinbarungen unterschreiben, in denen geregelt ist, dass man mit keinem anderen ins Bett geht. Da steht dann sinngemäß drin: „Ich bin XXX, dein Gott, Du sollst nicht andere Dienstleister haben neben mir“. Dann schreiben sie jeden an und der Billigste wird vorgestellt. Wird der nicht genommen, wird der Zweitbilligste vorgestellt. Habe ich ein paar Mal mitgemacht, kam nix bei raus.“

„Die Kundenschutzvereinbarung ist nicht nur unseriös, sondern auch nicht haltbar für einzelne Personen. Das wird sogar XXX intern so bestätigt. Und es sagt schon viel über die Kiste aus, wenn der Dienstälteste Anwalt mit in der Geschäftsführung ist. Ich würde eher mit Projektvermittlern zusammenarbeiten, die auch selbst eigene Entwickler, Consultants oder Berater angestellt haben. Da ist die Kompetenz höher und die verstehen auch, wie es einem im Projekt ergeht.“

„ … Der Ablauf ist immer derselbe. In der Regel bekomme ich dann eine Mail mit dem Inhalt „Leider konnte ich Sie telefonisch nicht erreichen.“ Auf meinem Telefon habe ich aber keinen Eintrag über einen verpassten Anruf. Da hat XXX also gar nicht versucht, mich anzurufen. Noch nie. Rufe ich dann zurück, ist der Vermittler am anderen Ende kurz angebunden, inkompetent und unfreundlich. Als nächstes erhalte ich dann eine Mail mit der Aufforderung, 2-3 Referenzansprechpartner mit Namen und Telefonnummern zu nennen und im Vorfeld, also bevor mein Profil überhaupt vorgestellt wird, eine Kundenschutzvereinbarung zu unterzeichnen:

… (Wortwörtlich der gleiche Text der oben steht und dieser Eintrag ist von diesem Monat und diesem Jahr!)

Bis dato kam es noch zu keiner Zusammenarbeit, weil ich diese KSV nicht unterzeichne. Ab dem Zeitpunkt hört man dann nichts mehr von XXX. Im Falle einer Unterzeichnung gibt es, wie mein Vorredner schon erwähnte, keine Garantie auf Vorstellung des Profils beim Kunden, und schon gar nicht auf eine erfolgreiche Projektvermittlung. Die Vereinbarungen aus der KSV bleiben aber trotzdem bestehen. Im Falle einer Projektvermittlung kassiert XXX dann vermutlich ca.

20% (oder mehr) an Provision für jede Stunde, die vom Auftragnehmer geleistet wird, über die gesamte Dauer des Projekteinsatzes, ohne weitere Verbindlichkeiten oder Verpflichtungen seitens XXX. Nach dem Projekteinsatz hätte ich dann 12 Monate Sperre und darf keine weiteren Aufträge bei dem jeweiligen Kunden annehmen. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob hier die Grenzen zur Seriosität immer noch nicht überschritten sind.“

(Eine Antwort auf das vorherige von Jemand anderes)

„Wenn du so was unterschreibst, hast Du entweder einen an der Klatsche oder den Markt nicht kapiert!“

Also liege ich mit meiner Vermutung über XXX wohl nicht so weit von der Realität entfernt.

Eine Anmerkung noch zu „…Ab dem Zeitpunkt hört man dann nichts mehr von XXX…“. Ich wurde an diesem Tage im 5-10-Minuten Takt von Firma XXX angerufen, so dass mir nichts anderen übrig blieb als Anrufe aus der Stadt der Niederlassung von XXX für 24 Stunden zu blockieren. Das mir dadurch einige Gespräche mit Firmen und Personen entgangen sind konnte ich per Mailkontakt „abfangen“.

Nach meiner Meinung ist seriös, etwas Anderes. Oder nicht?